Leserbrief von Herbert Becke, veröffentlicht im Merkur
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lemke,
ein guter Einstand in die neue Stadtratsperiode sieht wahrlich anders aus. Was sich in der ersten Sitzung im Bürgerhaus abgespielt hat, war kein demokratischer Aufbruch, sondern eine bittere Enttäuschung für die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger.
Es ist schlicht beschämend, dass die von Ihnen vorgeschlagenen Kandidaten für das Amt des zweiten und dritten Bürgermeisters es nicht einmal für nötig befunden haben, sich dem Gremium und der Öffentlichkeit vorzustellen. Kein Wort zu ihrer Person, kein Wort zu ihren Zielen. Das Bürgerhaus war bis auf den letzten Platz gefüllt – doch die Garchinger sind nicht gekommen, um lediglich Zeuge einer geheimen Wahl zu werden, deren Ergebnis man am nächsten Tag ohnehin in der Zeitung liest.
Die Menschen wollten wissen: Wofür stehen diese Stellvertreter? Welche Schwerpunkte setzen sie – außer dem bloßen Verteilen von Blumensträußen? Dass die Kandidatinnen von SPD und Grünen, Frau Haerendel und Frau Ried, ihre Vorstellungen öffentlich erläutert haben, unterstreicht nur die Arroganz der Gegenseite.
Diese Form der Politik schreckt die Menschen ab: Hinter verschlossenen Türen wird geschachert und Mehrheiten werden zementiert, nur um sie in der öffentlichen Sitzung wortlos abzunicken. Dass keine der Gegenkandidatinnen eine echte Chance hatte und jeglicher Austausch von Argumenten im Keim erstickt wurde, entlarvt die Wahl als reine Farce.
Besonders bitter: Sie und Ihre Mitstreiter beklagen Tag für Tag die Politik- und Demokratieverdrossenheit – doch mit einem solchen Vorgehen liefern Sie genau den Stoff, aus dem diese Verdrossenheit entsteht. Das ist Wasser auf die Mühlen derer, die an unserem System zweifeln.
Ihr Wahlkampf-Slogan „Gemeinsam besser machen“ klingt angesichts dieses Auftakts wie blanker Hohn. Weder war es „gemeinsam“, noch wurde etwas „besser“. Es war autoritär und schlechter.
Das Ergebnis für unsere Universitätsstadt: Ein rein männliches „Bürgermeister-Sextett“. Sechs Männer repräsentieren nun unsere Stadt – keine einzige Frau ist dabei. Das ist ein politisches Armutszeugnis für Garching im Jahr 2026.
Besonders enttäuschend ist dabei das Verhalten der Frauen innerhalb Ihrer neuen „Mehrheits-Koalition“. Wer am nächsten Tag wieder öffentlich beklagt, dass zu wenig Frauen in der Politik vertreten sind, aber am Vorabend geschlossen gegen qualifizierte Kandidatinnen stimmt, handelt schlicht unglaubwürdig.
Ein schlechterer Start in die nächsten sechs Jahre ist kaum vorstellbar.
Mit nachdenklichen Grüßen
Herbert Becke
