Willy Brandt - Der andere Deutsche

Veröffentlicht am 26.11.2014 in Veranstaltungen

Zum Vortrag der emeritierten Geschichtsprofessorin Helga Grebing zu diesem Thema lud der SPD-Ortsverein am vergangenen Montag in den Neuwirtssaal ein. Über 40 Besucher lauschten interessiert den kenntnisreichen, detaillierten und doch konzisen Ausführungen der Historikerin, die in Göttingen und Bochum lehrte und Willy Brandt bereits 1949 erstmals persönlich begegnete.

Als Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten blieb dem jungen Herbert Frahm aus Lübeck, Jahrgang 1913, nach Hitlers Machtergreifung nur der Weg ins norwegische Exil. Dort nahm er den Tarnnamen Willy Brandt an, den er nach Kriegsende schließlich in seinen Paß eintragen ließ. Der junge Linkssozialist Brandt stand zu Beginn seiner politischen Laufbahn zeitweilig in Opposition zur ihm zu staatstragenden SPD und verließ sie Anfang der Dreißiger Jahre sogar für kurze Zeit. Während der Emigration und auch nach 1945 änderte er seine Einstellung innerhalb der politischen Linken, auch vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen in der Sowjetunion, welche unter Stalin immer stärker zu einem totalitären System verfiel. Der sehr sprachgewandte und weitgereiste Willy Brandt kehrte unmittelbar nach Kriegsende nach Deutschland zurück und begann sich sofort wieder politisch zu engagieren, machte dabei rasch Karriere, ohne jedoch, wie Grebing betont, seine Ideale und Ziele zu verleugnen; eine Eigenschaft, die bei zahlreichen heutigen Spitzenpolitikern nicht sehr ausgeprägt ist ! Personelle Konflikte in den eigenen Reihen begleiteten ihn sein ganzes Leben lang, was ihn aber nicht davon abhalten konnte, in höchste Ämter aufzusteigen. Enormes Beharrungsvermögen und Willenskraft sowie seine glänzenden rhetorischen Fähigkeiten waren sicher wesentliche Elemente hierfür. Von 1957 bis 1966 Regierender Bürgermeister Westberlins, zuvor und dann von 1969 bis zu seinem Tode 1992 Bundestagsabgeordneter, Außenminister in der Ersten Großen Koalition, von 1969 bis 1974 dann als Bundeskanzler an der Spitze der SPD/FDP-Regierung. Von 1964 bis 1987 Parteivorsitzender der SPD, solange wie kein anderer Genosse vor und nach ihm sowie von 1976 bis zu seinem Lebensende Präsident der Sozialistischen Internationale Europas, welch beeindruckende Leistung ! Für seine Ostpolitik der Entspannung, die unter dem Motto „Wandel durch Annäherung“ wesentlich dafür sorgte, dass der Kalte Krieg nicht in einen heißen mündete, erhielt er zudem 1971 den Friedensnobelpreis. Im Mai 1974 trat Willy Brandt als Bundeskanzler zurück, Auslöser war die Spionageaffäre Guillaume, eigentliche Gründe waren allerdings inhaltliche und persönliche Zerwürfnisse mit anderen Spitzenpolitikern der eigenen Partei. Auf europäischer Ebene wirkte er jedoch nun in der Ersten Reihe mit, als Präsident der Sozialistischen Internationale konnte er weiterführen, was er als Bundeskanzler begonnen hat: die Demokratisierung und verstärkte Integration Europas. Olof Palme, Francois Mitterand und Bruno Kreisky waren dabei seine engsten politischen Weggefährten. Bis heute wird er beispielsweise in Spanien und Portugal verehrt dafür, die friedliche Überwindung der dortigen Militärdiktaturen mit herbeigeführt zu haben. Helga Grebing empfahl abschließend, dass sich die heutige Parteiführung stärker an den Grundprinzipien Brandtschen Handelns orientieren sollte: Stärkung des Demokratieprinzips und Revitalisierung des Parteiwesens; Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität bleiben die Grundwerte der Sozialdemokratie; die Stärkung des Internationalen Sozialismus als Zielsetzung erhalten. Eine kurzweilige Diskussion im Anschluss an den begeisternden Vortrag rundete den Abend ab.

Werner Landmann, Schriftführer SPD-Ortsverein Garching

 

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