Garching wünscht sich ein Ärztehaus

Veröffentlicht am 03.01.2020 in Kommunalpolitik

Aber die Kassenärztliche Vereinigung verweigert weitere Zuteilungen.

Seit vielen Jahren bemühen wir uns, das Ärzte-Angebot in Garching zu verbessern. Zuständig für die Zulassung der ärztlichen Praxen ist aber einzig und allein die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB). Diese hat eine Arzt-Quote für den Landkreis München festgelegt, die anhand der Einwohnerzahl eine beschränkte Anzahl an Praxen genehmigt. In welcher der 29 Kommunen des Landkreises München sich dann aber ein Arzt mit seiner Zulassung niederlässt, entscheidet wiederum der Arzt allein.

Leider konzentrieren sich die Niederlassungen von Facharztpraxen aber eher im südlichen Landkreis und daher stellen wir natürlich fest, dass in Garching z.B. eine Radiologie fehlt oder ein Orthopäde, oder dass wir nur eine einzige Kinderarztpraxis in unserer kinderreichen Universitätsstadt besitzen. Viele Mitbürgerinnen und Mitbürger wünschen sich daher zu Recht, dass sich da endlich etwas tut und sich entsprechende Fachpraxen in Garching niederlassen – am besten konzentriert in einem sogenannten Ärztehaus.

Die Stadt Garching hätte sogar ein geeignetes Grundstück mitten im Stadtzentrum, das sie für ein solches Vorhaben zur Verfügung gestellt hätte. Als Erster Bürgermeister habe ich daher in dieser Amtszeit mehrfach bei der KVB nachgefragt - und sogar erreichen können, dass ich zweimal zu einem persönlichen Gespräch bei der KVB in München vorsprechen durfte. Ich habe dort deutlich gemacht, dass man den „Garchinger Fall“ nicht einfach über einen Standard-Kamm scheren darf: In Garching leben nicht nur rund 20.000 Menschen, sondern studieren und arbeiten zusätzlich 25.000 Menschen, und auch aus dem Gewerbegebiet generieren sich tagtäglich noch mal rund 20.000 potenzielle Patienten, die hier einpendeln – es sei daher zu kurz gedacht, wenn man sich nur an der Einwohnerzahl orientiere. Aber leider wurden diese stichhaltigen Argumente einfach ignoriert – die Stadt Garching erhielt immer wieder eine rigorose Absage mit der Begründung: Eine Anreise zum Facharzt in einem Radius von bis zu 20 Kilometern (noch dazu mit einem direkten U-Bahn-Anschluss an die Landeshauptstadt München) sei zumutbar. Da gäbe es Landstriche in Bayern, die seien noch viel schlechter besetzt als der Großraum München.

Abgespeist und vertröstet wurden wir schließlich mit dem Angebot: Vorhandene Allgemein-Arztpraxen können zugelassene Fachärzte aus München überreden, eine stundenweise besetzte „Filial-Praxis“ in Garching zu betreiben; das würde genehmigt, mehr aber nicht. Das ist aus unserer Sicht natürlich nicht befriedigend, aber immerhin haben wir damit ein klein wenig Bewegung in das leidige Spiel gebracht. Und als kleine Erfolgsmeldung können wir daher berichten: In den letzten drei Jahren wurde mit Unterstützung unserer Stadtverwaltung erreicht, dass die dringend notwendigen räumlichen Erweiterungen und entsprechenden baulichen Umwidmungen für zwei Garchinger Allgemeinarztpraxen durchgeführt werden konnten. Diese beiden Arztpraxen im Garchinger Stadtzentrum haben somit durch eine damit ermöglichte und erfreuliche personelle Facharzt-Verstärkung erheblich dazu beigetragen, dass die Garchinger seitdem wenigstens ein bisschen Entspannung und geringere Wartezeiten in den Garchinger Arztpraxen erleben können. Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wir versprechen Ihnen, wir werden an diesem Thema konsequent dranbleiben und durch regelmäßige Nachfragen weiter daran arbeiten, die Entscheidungskriterien in der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns zugunsten der Garchinger positiv zu verändern.

Ihr Dietmar Gruchmann, Erster Bürgermeister der Stadt Garching.

 

Der Bürgermeister

Dr. Dietmar Gruchmann

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