Drei Jahre Kampf ums WHG

Veröffentlicht am 17.11.2011 in Lokalpolitik

Nach drei Jahren zähem Ringen ist jetzt der Startschuss für den Neubau des Werner-Heisenberg-Gymnasiums (WHG) gefallen. Schüler, Lehrer und Ehemalige richteten ein würdiges Fest aus. Einer der Höhepunkte: das Feuerwerk, ausgerichtet von Harald Paulus, Abiturient des Jahrgangs 1982.

Vor allem unter den ehemaligen Schülern überwog die Nachdenklichkeit, denn es bleiben Zweifel, ob mit Abriss und Neubau tatsächlich die beste Lösung gefunden worden ist. Wir werfen einen letzten Blick zurück:

Angefangen hat alles mit dem Bau der neuen Mensa. Bei Arbeiten an der Fassade, um den Speisesaal mit dem Altgebäude zu verbinden, wurden gravierende Brandschutzmängel festgestellt. Ein Gutachten stellte fest, dass diese Mängel nur durch den Austausch der Fassade behoben werden konnten.

Statt der geplanten Renovierung für etwa 10 Millionen Euro schnellten die Kosten in die Höhe. Bald war man bei über 15 bis 20 Millionen Euro und einer Bauzeit von fünf Jahren bei laufendem Unterricht angelangt. Die Schule komplett in Container umzusiedeln, wurde als zu teuer verworfen.

Jetzt kam die Neubauvariante ins Spiel, die Kosten wurden mit 30 bis 35 Millionen Euro berechnet. Bürgermeisterin Gabor begab sich im Alleingang auf Standortsuche und präsentierte im Herbst 2008 „ihren“ Standort im Norden von Garching. Die Folgen waren verheerend. Nicht nur die Schulfamilie wehrte sich gegen die Verpflanzung ans andere Ende von Garching, auch die im Zweckverband beteiligten Gemeinden (Ismaning und Unterföhring) akzeptierten den Standort nicht.

Es begann eine Phase heftiger Scharmützel. Unterföhring und Ismaning sahen plötzlich die Chance das WHG aus Garching zu entführen („Wenn ihr in Garching keinen Bauplatz findet, in Ismaning haben wir einen…“). Auch über die Größe des neuen Gymnasiums wurde gestritten, bis hin zur Aufteilung der Schule auf zwei Standorte. Es wurden Gutachten erstellt und über alles Mögliche debattiert, nur nicht über die Belange der Schüler.

CSU und FDP Kreistag wollten, neben dem Gymnasium in Garching, gleich zwei, eines in Ismaning und eines in Unterföhring. Die Schüler für zwei ganz neue Gymnasien gab es allerdings nur auf dem Papier.

Schließlich rauften sich die Gemeinden und der Landkreis zusammen und beschlossen den Neubau am alten Standort. Zuerst wurde ein stufenweiser Umbau diskutiert, um die Auslagerung der gesamten Schule und die damit verbundenen Kosten zu vermeiden. Doch die dadurch auf fünf Jahre verlängerte Bauzeit wollten die Mitglieder des Zweckverbands vermeiden. Deswegen wurden die komplette Auslagerung in eine Containerschule und der Neubau beschlossen.

Dann wurde der Architektenwettbewerb ausgelobt, den der Münchner Architekt Peter Schwinde gewann. Dieser Entwurf wurde in Zusammenarbeit mit der Garchinger Bauverwaltung, Schulleitung und Elternvertretern schließlich in eine konkrete Planung überführt. Konkreter wurden dabei auch die Kosten, die man anfangs auf 39 Millionen geschätzt hatte. Jetzt sind es 49 Millionen, dazu kommen noch die Kosten für die Containerschule, die sich auf etwa 5 Millionen Euro belaufen.

Mittlerweile ist der Umzug in die Containerschule erfolgreich abgeschlossen. Der Unterricht verläuft störungsfrei und Schüler wie Lehrer haben sich auf die veränderten Bedingungen gut eingestellt. Aber natürlich freuen sich alle auf den Umzug in das neue WHG in zwei Jahren.

Zum Schluss stellt sich die Frage, warum man nicht gleich beschlossen hat, Schule komplett in Container auszulagern und dann das alte Gebäude für 20 Millionen Euro zu sanieren. Das hätte, auch zu einem späten Zeitpunkt, viel Geld sparen können. Aber eine Neubewertung war nach der langen Phase heftiger Diskussionen wohl nicht mehr möglich.

Im Rückblick zeigt sich, dass in der Diskussion viele sachfremde Erwägungen eine Rolle spielten. Über weite Strecken wurde das WHG zum Spielball politischer Einzelinteressen. Eine rationale Entscheidung wurde dadurch erschwert. Jetzt gilt es in die Zukunft zu schauen und wenigstens bei der Umsetzung des Neubaus konstruktiv zusammenzuarbeiten.

 

Der Bürgermeister

Dr. Dietmar Gruchmann

Im Bundestag

Bela Bach