Mehr Begegnungsorte, bessere Infrastruktur – das Stadtleben aufwerten

Ortsverein

Bei der 13. Freinacht der SPD Garching erfüllten die eingeladenen Rednerinnen und Redner wieder ganz den Wunsch ihrer Gastgeber, ihre Meinung „frei von der Leber weg“ kundzutun oder, wie es Ortsvereinsvorsitzende Ulrike Haerendel nach Luther zitierte: „Tritt frisch auf, tu’s Maul auf, hör bald auf!“ In kurzen prägnanten Vorträgen stellten sie ihre Tätigkeitsfelder vor und äußerten ihre Wünsche an die Garchinger und die Stadtpolitik. Bei der ersten Rednerin Nicola Gerhardt, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in St. Severin, war etwa der Wunsch, dass die nun am zentralen Ort zur Errichtung kommende Patrona Bavariae ein verbindendes Symbol werde und als Verkörperung der - nicht nur christlichen - Grundwerte Strahlkraft für alle entwickele. Sie appellierte aber auch an die einzelnen, sich gerade auf die Neuankömmlinge in Garching zuzubewegen, den Kontakt zu suchen und Integration nicht nur als „Einbahnstraße“ zu verstehen. Thomas Koke, Einkäufer beim Naturkost-Großhändler Tagwerk, lobte den Standort Garching-Hochbrück als Umschlagplatz auch für Bio-Lebensmittel. Auch der Stadt Garching als Wohnort konnte er einiges abgewinnen, beklagte aber, dass zuviel Durchgangsverkehr, insbesondere von LKW, stattfinde. Geteilte Fuß- und Radwege wie an der Münchener Straße bewährten sich in seinen Augen nicht, und hier sei außerdem ein Fußgängerübergang mit Zebrastreifen am Wasserturm wünschenswert. Die nachfolgende Rednerin Christiane Lüth, die in Garching als Hebamme arbeitet, vertrat die Meinung, dass noch mehr für die jungen Familien getan werden müsse. Beim Blick in den vollen Saal meinte sie augenzwinkernd, dass hier „nicht gerade die Klientel einer Hebammenpraxis“ sitzt, aber Unterstützung nach dem Prinzip Großfamilie auch durch Ältere gebraucht werde. Elvan Tirink, Stellv. Vorsitzende des Integrationsbeirats, wünschte sich, wie auch ihre beiden Vorredner, mehr Begegnungsorte in Garching, in denen alle Kulturen und Generationen zusammentreffen können. Manche Angebote im Bereich der Gesundheitsversorgung und des Soziallebens (Kino, Schwimmbad, Haus der Begegnung) fehlten einfach. Als Türkin, die von Geburt an in Garching lebt, beklagte sie auch Vorurteile gegenüber Muslimen, die sich gerade in letzter Zeit wieder verstärkt hätten. Den Abschluss machte Stefan Wiegand, der als Experte für Stadtentwicklung für mehr Berücksichtigung der Modernisierungstrends plädierte. So müssten sich angesichts des gewaltigen Zuzugs nach München und in die Region die Landeshauptstadt und die Umlandgemeinden zusammentun, um die MVV-Angebote erheblich nachzurüsten, z.B. durch eine Stadt-Umland-Bahn. Er lobte Garching für den richtigen Schritt zu einer deutlichen Ausweitung des Wohnraumangebots (Kommunikationszone und Hochbrück), zu zögerlich sei die Stadt indes noch bei der Breitbandversorgung und damit schnellen Internettechnologie auch für die privaten Haushalte. Ganz unter seinen Möglichkeiten bliebe der Maibaumplatz - die gefühlte Ortsmitte -, dessen Aufenthaltsqualität erst noch zu entwickeln wäre.

Gerahmt wurde der Abend durch eine Rede der SPD-Bundestagskandidatin im Landkreis München Bela Bach und durch einen Rückblick des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Garchinger Stadtrat Joachim Krause auf die letzte Freinacht.

Ulrike Haerendel

 
 

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